Alle greifen an, alle verteidigen

Zum mittlerweile vierten Mal gastiert bei der SG Meiningen in der ersten Woche der Schulferien die Fußballschule der Real Madrid Clinics-Foundation.

 

Weltweit 380 Fußball-camps, bis zu 15000 Kinder pro Jahr in Deutschland – und jetzt wieder in Meiningen. Das ist die Real Madrid Clinics-Foundation. Vier Tage lang dominierte die Farbe Weiß die Szenerie im Stadion Maßfelder Weg. Es wurde gedribbelt, gepasst, geschossen und vor allem viel geredet im ausgebuchten Camp. Nicht nur wegen des tollen Wetters war es wieder ein voller Erfolg.

 

Für die 95 jungen Fußballer, darunter auch mehrere Mädchen, begann das Camp am Montag mit der Übergabe der Spielkleidung. Manch einer hatte da als Wunsch den Namen seines Idols aufdrucken lassen. So jagten mehrere Sergio Ramos, Ronaldo oder Kroos dem runden Leder hinterher. Andere hatten sich für ihre Namen entschieden. Den Trainern erleichterte es die Arbeit sichtlich, wenn Felix, Louis oder Johannes auf dem Trikot steht. Die weiteste Anreise hatte wie in den vergangenen Jahren der kleine Joshua, der in Atlanta in den Vereinigten Staaten lebt. Er verbringt seine Sommerferien immer in Meiningen bei seinen Großeltern und besucht dann regelmäßig dieses Camp. Ansonsten kamen die Knirpse aus Meiningen oder der näheren Umgebung wie Dreißigacker, Helba, Walldorf, Römhild, Kaltennordheim, Steinbach-Hallenberg, Weidebrunn, Suhl oder Schleusingen. Unter anderem hatte die SG Meiningen auch wieder Sponsoren gefunden, die insgesamt zwölf Kindern aus einkommensschwachen Familien die Teilnahme am Fußballcamp ermöglichten. Auch zwei syrische Jungen waren mit Feuereifer dabei. Nach der Eröffnung standen täglich zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Was sofort auffiel: ebenso viele Bälle wie Kinder befinden sich auf dem Feld. Denn der Ball , das Arbeiten mit ihm, steht im Vordergrund. Und es gibt tatsächlich vielfältige Möglichkeiten, mit dem runden Leder zu üben und sich im Umgang mit ihm zu verbessern. Die in Gruppen aufgeteilten kleinen und schon etwas größeren Fußballer durchlaufen eine Station nach der anderen. In einfachen Übungen wird erklärt, wie man bei Ballbesitz eine Überzahl dort herstellt, wo sich der ballführende Spieler befindet. Es werden Laufwege geübt und das schnelle Erfassen von Spielsituationen trainiert. Passfolgen mit Torabschluss sind ebenso gefragt wie das Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt. Hier trainiert auch der Chef Bei dieser Übung unterstützt Manuel Theierl, Übungsleiter der B-Junioren der SG Meiningen, den Spanier Ivan Guerrero, den Chef der Fußballschule. Er war früher Profi bei Real Madrid und später fungierte er auch als Techniktrainer der Königli- chen. Dabei hatte er auch Cristiano Ronaldo unter seinen Fittichen. Als Gastgeber des Camps kann die SG Meiningen auch Trainer stellen und die Wahl fiel auf Manuel Theierl. Er übersetzte die Anweisungen von Ivan Guerrero aus dem Englischen. Gurerro fragte zum Beispiel, ob die Spieler wissen, wer beim Fußball angreift und wer verteidigt. Als sich ein Knirps mit den Worten „angreifen tun die Stürmer“ meldet, grätscht der Spanier sofort verbal dazwischen: „Nein! Alle greifen an bei Ballbesitz, und dann verteidigen auch wieder alle“, erklärte er seinen Schützlingen. Bei simplen Übungen wird den jungen Fußballern gezeigt, wie wichtig das Umschalten von Angriff auf Abwehr ist und warum dabei im modernen Fußball das Tempo entscheidet. Natürlich gibt es auch Tipps für die Kinder, wie man das am besten auf dem Platz umsetzt. Michael Dämgen ist der Leiter des Camps in Meiningen. Auch er nimmt sich viel Zeit, um die Übungen zu erklären. „Ihr dribbelt von außen in die Mitte. Dort stoppt ihr den Ball, nehmt den Kopf hoch, zieht den Ball mit der Sohle zurück, dreht Euch und passt wieder nach außen. Und dann geht ihr aus dem Passweg, damit der nächste dribbeln kann“, doziert Dämgen, während er selbst die Übung vormacht. Erschwerend ist dabei, das die Knirpse von vier Seiten in die besagte Mitte dribbeln und sich dort nicht ins Gehege kommen dürfen. Aber nach ein paar Tipps läuft alles auch bei den Jüngsten richtig toll. Sehr schweißtreibend Patrick Marr von der SG Meiningen berichtet, dass man aus solchen Übungen auch ganz viel für das Training im Verein mitnehmen kann. „Jedes Jahr kommen neue Dinge hinzu oder Übungen werden weiterentwickelt. Davon profitieren wir natürlich auch“, so Marr. Das Real-Madrid-Fußballcamp war dieses Jahr eine schweißtreibende Angelegenheit. In den Pausen gab es für die Kinder bei tropischen Temperaturen erfrischende Getränke und Obst. „Die Getränke werden von den Clinics gestellt. Es sind spezielle Sportgetränke. Außerdem wurde uns ein Plan mit 20 Gerichten für die Mittagsversorgung vorgelegt, aus dem wir uns für fünf Mahlzeiten entscheiden konnten. Alle Speisen sind natürlich gesundheitsbewusst und sportspezifisch ausgewählt“, erklärt Patrick Marr. Für die Versorgung und alle anderen organisatorischen Aufgaben hatte die SG Meiningen beim Camp sechs Helfer am Start. Für Patrick Marr ist es eine große Wertschätzung für die SG Meiningen, dass Clinics-Chef Ivan Guerrero erneut persönlich vor Ort war und mit den Knirpsen trainierte. Übrigens hat die SG Meiningen auch schon für das kommende Jahr die Zusage für das Camp. Dann wird es zum Ferienbeginn wieder „Hala Madrid“ durch das Stadion am Maßfelder Weg schallen. Quelle: insüdthüringen (Von Ralf Ilgen)