Von Meiningen direkt ins Bernabeu

Bei bestem Fußballwetter haben beim Trainingscamp der Real-Madrid-Foundation-Clinics insgesamt 78 Kinder fleißig trainiert. Zu erleben gab es viel, einer wird diese Woche aber sicherlich nie vergessen.

 

Es war von Anfang an vieles anders in dieser Woche, als es die Teilnehmer der Real-Madrid-Fußballcamps aus den vergangenen Jahren gewohnt waren. Wegen Corona gab es bei dieser Ausgabe des Camps der Fußballschule des spanischen Rekordmeisters - der jüngste Titel wurde gerade vor Wochenfrist wiedermal vorzeitig eingefahren - einige Einschränkungen. Gestört hat das aber niemanden. Am Wenigsten sicherlich Cinu Müller, der wegen des Camps extra aus Weimar nach Meiningen gekommen war. Er wurde als bester Spieler ermittelt und darf sich auf eine Reise nach Madrid freuen. Insgesamt kamen die 78 jungen Fußballer, darunter auch mehrere Mädchen, aus 26 Vereinen aus ganz Südthüringen, aber eben auch aus Weimar, Kassel und Templin.


Schon als im Juni die Bestätigung von den hiesigen Behörden kam, dass das Camp wie geplant stattfinden kann, konnten die Ausrichter von der SG Meiningen mit einem Lob wuchern. Die Organisatoren der Real-Madrid-Clinics bestätigten den Meiningern, dass ihr Sportareal im Maßfelder Weg absolut perfekt geeignet sei, um das Camp bei den nötigen Hygieneschutzmaßnahmen umzusetzen. "Das dazugehörige Konzept wurde von Real Madrid extra für die europaweit durchgeführten Trainingscamps erstellt. Vor Ort wird es dann jeweils an die dortigen Gegebenheiten angepasst", berichtete George Manolis, verantwortlicher Trainer in Meiningen. Auf alle Fälle waren alle Beteiligten froh, dass auch in diesem Jahr alles wie geplant stattfinden konnte. Dies brachte auch Cornelia Kraffzick als Vertreterin der Stadt bei der Eröffnung zum Ausdruck. Und die vielen Helfer der SG Meiningen waren natürlich auch sehr zufrieden.


Pro Gruppe ein Trainer
Wegen Corona war vieles anders, als es die Teilnehmer aus den Vorjahren gewohnt waren. Los ging das schon bei der Ankunft. Die Kinder wurden gleich dem Alter entsprechend in Gruppen aufgeteilt. Diese hatten die Namen von aktuellen Real-Größen: Hazard, Ramos, Marcelo, Benzema und natürlich Kroos. Jede dieser Gruppen bekam einen Trainer zugeteilt, der sie auch die ganze Woche betreute. Die gesamte Eröffnung mit der Verteilung der Beutel mit den Trainingssachen zog sich auf diese Weise natürlich länger hin als gewohnt. "Das war uns vorher klar und das nehmen wir auch gerne in Kauf", so George Manolis. Die Abstandsregeln wurden auch in den Essenspausen eingehalten, wo viel mehr Platz zur Verfügung stand als sonst. Jede Gruppe nahm die Mittagsspeise immer an den gleichen Tischen ein. Auch bei dem Auffüllen der Trinkflaschen und bei der Nutzung der Umkleidekabinen erfolgte eine Trennung der Gruppen.


George Manolis erklärte zum Auftakt allen die wichtigsten Dinge. "Abstand ist die goldene Regel in diesere Woche. Wir sind sehr froh, dass wir die Camps auf diese Weise durchführen dürfen und wollen keinesfalls jemanden gefährden. Es ist eine schwierige Zeit, aber ich denke, dass wir in dieser Woche dennoch viel Spaß haben werden und die Kinder einiges lernen können", sagte er und dankte auch nochmals der Stadt Meiningen wie auch den Behörden im Landratsamt für die Unterstützung. Wenn schon vieles anders ist, muss es natürlich auch Konstanten geben bei einem solchen Camp. Und die gab es: das Einlaufen zur Hymne von Real Madrid zum Auftakt war der erste große Höhepunkt und sorgte bei vielen Knirpsen und den da noch anwesenden Eltern sicherlich für Gänsehaut und auch der Schlachtruf "Hala Madrid" schallte mehrfach durch das weite Stadionrund. Übrigens gab es auch keine Mühe, die Eltern, die die Eröffnung verfolgten, von der Einhaltung der Abstandsregeln zu überzeugen.


Trainiert wurde - ebenfalls wie gewohnt - wieder mit modernster Technik zum Beispiel zur Ermittlung der benötigten Zeit für ein Dribbling: Jeder Campteilnehmer hatte ein personalisiertes Bändchen um, auf dem in einem Chip seine Daten gespeichert wurden. Vor dem Dribbling legte er den Chip auf die Anlage. Die gab dann die Richtung vor, in der gedribbelt werden musste - entweder rechts oder links am Startpunkt vorbei - und stoppte nach der Übung die Zeit. Über eine App konnten die Kinder aber auch deren Eltern jeden Tag die Zeiten und die Leistungen einsehen und vergleichen. Die Verbesserung der Ballbehandlung wurde ebenso geübt wie Varianten für Abwehr und Angriff, Kombinationen bis zum Torschuss und natürlich der Torschuss selbst, genaues Passen, Dribbling aber auch einfache Spielformen auf zwei oder vier Tore.


Strahlender Gewinner
Zum Abschluss des Fußballcamps bekamen zunächst alle Teilnehmer unter dem Applaus der vielen anwesenden Eltern ihre Urkunde und einen Ball überreicht. Jeder wurde dazu einzeln aufgerufen. George Manolis dankte vorher allen dafür, dass sie so toll mitgemacht haben und lobte die jungen Fußballer. "Denkt immer dran, dass die Teilnahme an diesem Camp nicht selbstverständlich ist. Seid immer dankbar und egal was ihr später mal werdet, ob nun Profi oder nicht, vergesst nie wo ihr herkommt", sagte er. Eine Sonderehrung erhielt auch Louis Reetz von der SG Meiningen. Er wurde als "bester Teamplayer" ausgezeichnet. Das war der Lohn für seine besondere Fairness und Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Campteilnehmern. Dann kam der große Moment für Cinu Müller. Ihn wählten die Trainer des Camps zum "Best Player". Freudestrahlend nahm er seine Urkunde entgegen. Der junge Kicker darf im kommenden Jahr mit einem Elternteil für vier Tage zu einem Trainingscamp nach Madrid fliegen. Dort wird im legendären Bernabeu-Stadion und auf dem Gelände der weltberühmten Real-Madrid-Nachwuchsakademie trainiert. "Ich bekomme immer wieder Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Training auf dem heiligen Rasen im Bernabeu. Etwas Größeres gibt es nicht", sagte George Manolis und diese Worte waren sicher für viele die Motivation zur Anmeldung für kommendes Jahr. Quelle: Ralf Ilgen (MT)