Wir kämpfen weiter für den Stellenwert der Jugend

Seit vielen Jahren hat sich Patrick Marr dem Fußball-Nachwuchs verschrieben und schon viel erlebt. Die momentane Situation und das Zustandekommen der Beschlüsse im Thüringer Fußball-Verband hat ihn fassungslos gemacht.

 

„Zunächst muss ich erklären, dass ich hier in meiner Funktion des Vorsitzenden der Nachwuchsspielkommission des Thüringer Fußballverbandes über die derzeitige Situation spreche und nicht als Vorstand der Meininger Nachwuchsspielgemeinschaft oder als Trainer einer Mannschaft.

 

Gerade deshalb muss ich die Situation im Komplexen betrachten“, stellt Patrick Marr klar. „In einer Zeit, welche niemand vorher kannte und die sich nicht wiederholen möge, sind einige Dinge passiert, welche sich auch nicht wiederholen sollten. Ich meine, das ständige Hin und Her bezüglich einer Entscheidung über eine Saisonfortsetzung oder einen Abbruch.“ Seit fast dreißig Jahren widmet sich Marr mit seinen ehrenamtlichen Aktivitäten dem Nachwuchsfußball in allen möglichen Funktionen. Deshalb sei es für ihn wichtig gewesen, dass die Entscheidung pro Abbruch im Nachwuchs gefallen ist. „Das Zustandekommen dieses, sowie vieler anderer Beschlüsse, hat mir absolut missfallen. Nachdem Anfang Mai, für mich viel zu früh, für die Saisonfortsetzung gestimmt wurde, regte sich großer Widerstand einer deutlichen und sachlich orientierten Mehrheit, die eine Petition startete. Die schaffte es, dass dieser Tagesordnungspunkt erneut auf den Prüfstand kam. Zur Vorstandssitzung in Bad Blankenburg wurde ich aufgrund meiner Funktion geladen und musste anschließend erkennen,trotz zahlreicher Bedenken betreffs der Fortführung, dass gegen den Antrag unseres Jugendausschusses und somit auch meiner Nachwuchsspielkommission gestimmt worden ist“, erläutert der Meininger. „Umso erstaunlicher war die Kehrtwende am nächsten Tag in einer weiteren Vorstandssitzung per Videokonferenz, obwohl keine neue Sachlage vorhanden war. Einzig gab es die Info aus dem benachbarten Bayern, dass dort wahrscheinlich auch der Nachwuchs abgebrochen wird.“ Es stelle sich für ihn schon die Frage, mit welcher Begründung man sich an den Landesverband Bayern halte. 

 

„Hat Thüringen nicht nach der politischen Wende den sportlichen Zusammenschluss der damaligen neuen Bundesländer mit befürwortet, um im Nordostdeutschen Fußball-Verband gemeinsam stark zu sein, um sich Gehör beim größten Dachverband der Welt zu schaffen? Und jetzt fällt man diesen Sportfreunden in den Rücken“, so Marr. „So viel kann ja nicht falsch sein, wenn bis auf zwei Landesverbände alle anderen Abbruchentscheidungen forcieren.“ Die Frage, warum man Richtung Bayern schielt, sei bis heute nicht geklärt worden. Nicht der Depp sein Die Nachwuchsentscheidung ist aus Marrs Sicht nur nochmal geändert worden, dass man nicht die Lachnummer oder der Depp der Nation ist. Leider zeige sie nun aber zu wenig die vielen Argumente, welche in der Petition vorgetragen wurden, sowie die vom Jugendausschuss vorgebrachten Schwierigkeiten bei einer Saisonfortsetzung. Dinge wie Altersklassenwechsel, Spielfeldgrößenwechsel, individuelle Ausbildung des Einzelnen, mannschaftlich-taktische Ausrichtung, soziale Kompetenzen, DFBnet und vieles mehr hätten den Vorstand spätestens in Bad Blankenburg bewegen müssen, den Beschluss zu ändern. „Neben dem zunächst ernüchternden Ausgang an diesem Tag, ärgert mich, dass bei solch wegweisenden Entscheidungen die Möglichkeit einer Stimmenthaltung gegeben ist und diese rege genutzt werden konnte. So etwas ist nicht in meinem Sinne. Stimmenthaltung ist für mich Desinteresse, Ahnungslosigkeit oder am Ende nicht schuld sein wollen, wenn es nicht wie geplant funktioniert“, so Patrick Marr. Wie und ob die Entscheidungsträger weitermachen bzw. weitermachen dürfen, werde man auf dem ordentlichen Verbandstag im Herbst sehen. Dort müsse, so Marr, auch ein Generationswechsel stattfinden. „Wir kämpfen auf jeden Fall weiter, dass die Jugend einen größeren Stellenwert innerhalb des Verbandes bekommt, denn die Kinder und Jugendlichen stellen die meisten aktiven Mitglieder im Verband. Deshalb plädieren wir auch für einen Vizepräsidenten Jugend, um endlich im Präsidium vertreten zu sein“, stellt er fest. In seiner Funktion als Vorsitzender des Nachwuchsspielausschusses gelte es, wieder Fahrt aufzunehmen, um die schon im März erarbeiteten Konzepte für die neue Saison anzupassen. Gleichzeitig stehe ein arbeitsreicher Monat Juni auf der Agenda, um nach den Sommerferien einen geordneten Spielplan zu haben. „Ich möchte aber auf keinen Fall versäumen, zu erwähnen, dass es erneut zu Beeinträchtigungen der Wettbewerbe durch unvorhergesehene Dinge kommen kann. Deshalb wollen wir einen Puffer schaffen, damit 2020/21 eine reguläre Saison gespielt werden kann. Nicht jede Entscheidung wird einhundert Prozent Zustimmung erfahren, aber wenn alle Beteiligten sich ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, wird es gelingen“, ist er sich sicher. „Kinder und Jugendliche wollen Fußball spielen und so dürften eventuelle Doppelspieltage an verlängerten Wochenenden kein Problem sein, wenn wir es nicht schaffen, die Staffeln zu mehren und die Teams zu verringern.

 

Wenn die aktuelle Situation sich in Deutschland weiter entschärft und die politischen Entscheidungsträger es zulassen, bin ich frohen Mutes, dass wir Mitte September wieder mit dem Spielbetrieb beginnen und uns auf dem Weg zurück zur Normalität, wieder über das Sportliche unterhalten können.“ Quelle: insuedthüringen